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01 - Grundlagen der audiovisuellen Stimulation   Datum: Samstag, 01. Mai 2004

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Einleitung:
- oder: Was ist eine Mindmachine? -

Mit diesem Beitrag möchte ich eine hierzulande immer noch relativ unbekannte, aber dennoch sehr wirkungsvolle Methode zur Induktion verschiedenster geistig-emotionaler Zustände vorstellen. Das Prinzip ist im Grunde genommen sehr einfach und basiert auf der Stimulation des zentralen Nervensystems durch Licht- und Klangsignale. Audiovisuelle Stimulationssysteme - auch bekannt unter dem Begriff Mindmachines - ermöglichen eine Vielzahl von Anwendungen wie zum Beispiel:

Hauptteil:
  • Mentale Fitness und Vitalität:
    • Steigerung von Konzentration, Auffassungsgabe und Gedächtnisleistung
    • Überwindung von Müdigkeit und Erschöpfungszuständen

  • Entspannung, Regeneration und Stressmanagement:
    • Abschalten und Erholung von einem anstrengenden Tag
    • Herbeiführung von Tiefenentspannung
    • Erhöhung der Stressresistenz

  • Meditation, Mentaltraining, Trance und Selbsthypnose:
    • Herbeiführung meditativer und tranceähnlicher Zustände
    • hypnagoges Bilderleben und Phantasiereisen
    • Förderung der Kreativität und Ideenfindung
    • Nutzung des hypnagogen Zustandes für wirkungsvolle Autosuggestionen und Affirmationen

  • Schlaf:
    • Überwindung von Einschlafproblemen und Schlaflosigkeit
    • Förderung eines gesunden und erholsamen Tiefschlafs

  • Therapieunterstützung bei:
    • Stresserkrankungen und Nervosität
    • ADS und ADHS
    • Demenzerscheinungen
    • Depressionen und Angstzuständen
    • Schmerzen (insbes. Fybromalgie)
    • Bluthochdruck

    • Schlafstörungen
Sie werden sich an dieser Stelle gewiss fragen, wie es überhaupt möglich sein kann, dass ein einziges System eine solche Vielzahl verschiedenster Anwendungsbereiche eröffnet und dabei auch noch wirkungsvoll und effektiv sein soll. Das „Geheimnis“ liegt schlichtweg in den verschiedenen Frequenzbereichen, die im Rahmen der audiovisuellen Stimulation appliziert werden können. Für das Verständnis der audiovisuellen Stimulation ist jedoch zunächst ein grundlegendes Hintergrundwissen über die Funktionsweise unseres Gehirns unter besonderer Betrachtung der elektromagnetischen Gehirnwellen essentiell:

Einführung: Die elektromagnetische Gehirnaktivität und deren Darstellung im EEG

Das menschliche Gehirn besteht aus Abermilliarden Nervenzellen (Neuronen), welche wiederum von Abermilliarden Gliazellen unterstützt und versorgt werden. Jede einzelne Nervenzelle ist durch tausende Verästelungen über Synapsen mit anderen Nervenzellen verbunden. In der Gesamtheit bilden diese ein gewaltiges neuronales Netzwerk: unser Gehirn - oder genauer: das zentrale Nervensystem.

Untereinander und über das gesamte Zentralnervensystem des Körpers hinweg tauschen die Neuronen elektrochemische Impulse aus. Jede dieser elektrochemischen Entladungen erzeugt ein elektromagnetisches Feld mit einer Frequenz zwischen 1 und 40 Hz (Schwingungen pro Sekunde). Die Gesamtheit dieser Signale bildet die sogenannten Gehirnwellen, welche mittels eines Elektroenzephalographen gemessen und als Elektroenzephalogramm (EEG) dargestellt werden können.
Man unterscheidet hierbei zwischen vier wesentlichen Gehirnwellenbereichen:

Beta-Bereich: Dieser Gehirnwellenbereich umfasst die Frequenzen 14 - 30 Hz und repräsentiert den wachen, konzentrierten, nach außen gerichteten Bewusstseinszustand, in welchem der Mensch sich den größten Teil der Zeit zwischen morgendlichem Aufstehen und abendlichem Zubettgehen befindet. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch mentale Aktivität und logisches, analytisches Denken, kann im Extremfall aber auch Unruhe, Sorge, plötzliche Angst, Anspannung oder Alarmbereitschaft bedeuten. Hohe Beta-Anteile stehen im Zusammenhang mit einem erhöhtem Ausstoß von Stresshormonen.

Alpha-Bereich: Dieser Gehirnwellenbereich umfasst die Frequenzen zwischen 7 und 14 Hz. Kennzeichnend für diesen Zustand sind wohlige Entspannung, ruhiges, fließendes Denken sowie eine positive Grundstimmung. Die Aufmerksamkeit ist hierbei nach innen gerichtet und es geht eine erhöhte Empfänglichkeit für Suggestionen mit diesem Zustand einher. Aufgrund der Tatsache, dass der Mensch in diesem Zustand eine große Menge von Informationen verarbeiten kann, ist dies der bevorzugte Zustand für Superlearning.

Theta-Bereich: Dieser Bereich umfasst die Frequenzen von 3 - 7 Hz und kennzeichnet den Zustand, in welchem wir uns üblicherweise während des Traumschlafs befinden. Es ist ein ruhiger Zustand, der durch ein gesteigertes, plastisches Erinnerungsvermögen, bildhafte Vorstellung, Phantasie und Kreativität sowie außergewöhnliches Problemlösen geprägt ist. Dieser Zustand wird auch durch Tiefenmeditation erreicht.

Delta-Bereich: Dieser Bereich umfasst die Frequenzen 1 - 3 Hz und tritt normalerweise nur während des traumlosen Tiefschlafs auf, kann aber auch in Trance-Zuständen dominieren. Von großer Bedeutung sind diese Wellen für Heilungsprozesse und die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems.

Weiterhin ist noch der Gamma-Bereich zu erwähnen, welcher oberhalb 30 Hz liegt, jedoch bislang kaum erforscht ist.

Verschiedene Gehirnwellen können in verschiedenen Gehirnarealen gleichzeitig auftreten. So verändert sich das gesamte Gehirnwellenmuster von Sekunde zu Sekunde, wobei jedoch stets bestimmte Gehirnfrequenzen und damit einhergehende Zustände entsprechend o. a. Klassifizierung dominieren.
Die folgenden Abbildungen sollen das Verständnis über die Gehirnwellen und deren Darstellung erleichtern:
 

Oszillographen-Darstellung:

zeigt den Wellenverlauf der Gehirnaktivität in ihrer Gesamtheit über einen bestimmten Zeitraum hinweg.

3D-Landscape-Darstellung:

ermöglicht die Spektralanalyse der Gehirnwellen für eine Messung über eine bestimmte Zeitdauer hinweg.

Mindmirror-Darstellung:

zeigt eine Momentaufnahme der Gehirnaktivität zu einem bestimmten Zeitpunkt - oder bezogen auf einen Zeitraum eine Darstellung der durchschnittlichen Gehirnaktivität auf den verschiedenen Frequenzwerten.


Das menschliche Gehirn besteht ferner aus linker und rechter Gehirnhemisphäre: Die rechte Hemisphäre steuert die Funktionen der linken Körperseite, wohingegen die linke Hemisphäre für die Funktionen der rechten Körperseite zuständig ist.
Das Corpus Callopsum stellt eine Verbindung der beiden Hemisphären dar und verknüpft die Prozesse zwischen linker und rechter Hemisphäre. Zwar weisen die beiden Hemisphären eine oberflächliche Symmetrie auf, unterscheiden sich aber wesentlich in ihren Funktionen:

Während beim normalen Rechtshänder die linke Hemisphäre Informationen seriell (d.h. nacheinander) verarbeitet, sich an Reihenfolgen hält, Einzelheiten registriert, nach den Prinzipien der Logik arbeitet - Informationen also sequentiell und damit natürlich auch langsamer verarbeitet, prozessiert die rechte Hemisphäre Informationen parallel. Sie erfasst komplexe Bilder und verarbeitet Informationen gleichzeitig. Dadurch kann sie in der gleichen Zeit wesentlich mehr Informationen verarbeiten als die linke Hemisphäre.

Durch schulisches Lernen werden fast ausschließlich linkshemisphärische Fähigkeiten trainiert. Rechtshemisphärische Talente wie Kreativität und die komplexe Aufnahmefähigkeit werden gleichzeitig begrenzt durch die alleinige Ausrichtung auf serielles Erfassen von Wissensinhalten. Es ist erfreulich, dass die moderne Pädagogik sich mittlerweile diesen Erkenntnissen stellt und nach neuen Methoden sucht, um ganzheitliches Lernen zu vermitteln, jedoch genügt es nicht, nur rechtshemisphärische Begabungen aufzubauen und somit das kreative Potential weiter zu fördern.

Erst die synchrone Zusammenarbeit beider Hemisphären ermöglicht es, neue geistige Potenziale zu erschließen. Die rechte Hemisphäre, die parallel, bildhaft, emotional, unkoordiniert und ungebremst sehr viele Informationen aufnehmen kann, führt erst in synchroner Zusammenarbeit mit der linken Hemisphäre, die strukturiert, analysiert, auswählt und kombiniert, zur Fähigkeit der ganzheitlichen Erfassung und Analyse von Informationen und somit zur Entwicklung einer übergeordneten Betrachtungsweise von Sachverhalten.

Üblicherweise befinden sich unsere Hemisphären in einem asynchronen Zustand, d.h. die elektromagnetischen Gehirnwellen der linken und rechten Hemisphäre unterscheiden sich in Bezug auf Frequenz, Amplitude, Phase und Kohärenz. Es ist mittels spezieller Methoden jedoch möglich, den Zustand der Hemisphärensynchronisation herbeizuführen. Folgende Darstellung soll diesen Zustand verdeutlichen:
 

Asynchrone Hemisphären
Hemisphärensynchronisation

Mit diesem Hintergrundwissen können wir uns nun der audiovisuellen Stimulation zuwenden:  

Geschichte der visuellen Stimulation

Seit der Entdeckung des Feuers weiß die Menschheit, dass flackerndes Licht eine Wirkung auf die menschliche Psyche hat.. Sowohl antike als auch moderne Wissenschaftler haben dieses Phänomen beobachtet. Bereits 200 Jahre vor Christus entdeckte der griechische Philosoph und Wissenschaftler Ptolemäus, dass ein vor die Sonne gehaltenes, sich drehendes Spinnrad bei einer bestimmten Geschwindigkeit Bewusstseinsveränderungen beim Betrachter hervorruft, welche sich in Form visuell wahrgenommener Farben und Muster sowie eines Gefühls der Benommenheit und Euphorie niederschlagen können.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts stellte der französische Psychologe Pierre Janet fest, dass hysterische Patienten weniger Anfälle hatten und wesentlicher entspannter wurden, wenn man sie mit flackerndem Licht therapierte.

In den vierziger und fünfziger Jahren experimentierte der Wissenschaftler Gray Walter mit einem elektronischen Stroboskop in Kombination mit EEG-Instrumenten zur Messung der Gehirnwellen. Die geschlossenen Augen seiner Versuchspersonen wurden hierbei mit rhythmischen Lichtblitzen in Frequenzen zwischen zehn und fünfundzwanzig Blitzen pro Sekunde bestrahlt. Zu seiner Überraschung schien das Flackern die Gehirnwellentätigkeit des gesamten Kortex - nicht nur die für das Sehen zuständigen Bereiche - dahingehend zu verändern, dass sich die Gehirnfrequenzen der Probanden der jeweiligen Stimulationsfrequenz anpassten. Seine Versuchspersonen berichteten dabei von Visionen von Kometen, überirdischen Farben sowie von Farben geistiger, nicht visueller Art.

Im Laufe der sechziger Jahre wuchs das wissenschaftliche Interesse an dem Flackereffekt, aber erst Anfang bis Mitte der siebziger Jahre kam es zu einen großen Aufschwung, als plötzlich reihenweise überall auf der Welt unabhängige Studien zu diesem Phänomen durchgeführt wurden und wiederholt bestätigt wurde, dass rhythmisch blitzende Lichter eine rasch eintretende Resonanzwirkung auf Gehirnwellen hatten. Außerdem kamen die Forscher zu dem überraschenden und aufregenden Ergebnis, dass man mit der photischen Stimulation ein Werkzeug zur Verbesserung der Funktionen von Geist und Körper zur Verfügung hatte. Unabhängig voneinander entdeckten mehrere Forscher, dass

  • auf bestimmten Frequenzen (insbesondere im Alpha- und Thetabereich) das rhythmische Flackern während der Zeit der Stimulation Ängste lindern konnte,

  • Personen, die derart stimuliert worden waren, über einen langanhaltenden und substantiellen Rückgang ihrer Ängste berichteten,

  • das blinkende Licht in eben diesen Frequenzen in den Versuchspersonen einen Zustand tiefer körperlicher Entspannung und geistiger Klarheit auslöste,

  • man durch photische Stimulation das Gehirn in der Modifizierung seiner EEG-Frequenzen trainieren konnte,

  • sich nach solch einem Training die verbale Ausdrucksfähigkeit der Versuchspersonen und ihre verbalen Leistungen bei Intelligenztests erhöhten,

  • auf bestimmten Frequenzen (wieder im Alpha- und Thetabereich) das blinkende Licht die Hypnotisierbarkeit und die Empfänglichkeit für Suggestionen bei den Testpersonen erhöhte,

  • flackernde Lichter die beiden Hemisphären des Gehirns in einen Zustand größerer Kohärenz und Synchronisation bringen konnten,

  • eine derartige Kohärenz zwischen den Hemisphären in Beziehung zu verbesserten intellektuellen Funktionen steht,

  • bei Kindern bis zum Alter von vierzehn Jahren die am häufigsten erzeugten Frequenzen im Thetabereich liegen, bei Erwachsenen hingegen im Betabereich. Das bedeutet, dass der Prozentsatz von Thetawellen mit dem Alter abnimmt, während die Menge an Betawellen steigt. Indem man nun die Gehirnwellen eines Erwachsenen im Thetabereich anregt, kann der Erwachsene zu einem freieren, eher kindlichen Geisteszustand zurückkehren, der sich durch lebhaftes und spontanes geistiges Bilderleben und phantasievolles, kreatives Denken auszeichnet. Moderne Studien bilden die Grundlage zu der These, dass Thetawellen direkt mit der Ausbildung neuer Synapsen in Zusammenhang stehen.


Geschichte der auditiven Stimulation

Während sich die einen Wissenschaftler also mit der visuellen Stimulation beschäftigten, kam durch andere nun noch die Erforschung der auditiven Stimulation hinzu. Zunächst beschränkte sich die auditive Stimulation lediglich auf rhythmische Klangimpulse. Ähnlich wie bei der visuellen Stimulation stellte sich hierbei heraus, dass das Gehirn dabei mit erhöhter Gehirnwellenaktivität auf der entsprechenden Frequenz reagiert und dass die beiden Gehirnhälften in einen Zustand größerer hemisphärischer Kohärenz und Synchronisation gebracht wurden.

Der Biophysiker Dr. Gerald Oster entdeckte 1973, dass sich die Gehirnwellenaktivität auch insofern beeinflussen lässt, indem man beide Ohren getrennt mit Tönen verschiedener Frequenz beschallt. Kombiniert man zwei auf unterschiedliche Frequenzen eingestellte Oszillatoren und schickt ihre Signale durch einen oder auch zwei getrennte (so dass sie sich erst in der Luft vermischen) Lautsprecher, dann erzeugen sie eine sehr regelmäßige Interferenzschwingung, die man sowohl mit beiden, aber auch mit einem Ohr wahrnehmen kann. Diese Signale nannte er monaurale Schwingungen. Ein ganz anderes Phänomen jedoch entsteht, wenn man Stereokopfhörer benutzt und die Signale den beiden Ohren getrennt zuführt. Auch dann nimmt man unter bestimmten Umständen rhythmische Schwingungen wahr, die sich allerdings deutlich von den monauralen unterscheiden. Diese Signale nannte er binaurale Schwingungen. Sie erfordern die kombinierte Tätigkeit beider Ohren und entstehen als Folge der Interaktion von Wahrnehmungen im Gehirn. Im Inneren des Gehirns vermischen sich die Töne so, dass eine binaurale Schwingung entsteht. Die Gehirnwellen werden dabei an den Rhythmus der Schwingung gekoppelt und beginnen entsprechend dem Unterschied der beiden Ausgangsfrequenzen zu schwingen. Stimuliert man also das rechte Ohr beispielsweise mit einem konstanten und gleichmäßigen Ton von 400 Hz und das linke mit einem konstanten Ton von 410 Hz, so entsteht im Gehirn eine binauriale Schwingung von 10 Hz, in diesem Fall also eine Frequenz im Alpha-Bereich. Das Gehirn reagiert mit einer entsprechenden Frequenzfolgereaktion.

Der Forscher Robert Monroe entdeckte darüber hinaus, dass die Frequenzfolgereaktion nicht etwa nur in dem für das Hören zuständigen Gehirnbereich auftrat oder nur in der linken oder rechten Hemisphäre. Vielmehr schwang das gesamte Gehirn mit, die Wellenformen beider Hemisphären wurden identisch in Bezug auf Frequenz, Amplitude, Phase und Kohärenz. Monroe hatte eine Technik zur Erzeugung von Hemisphärensynchronisation entdeckt. Seine Probanden berichteten beispielsweise nach den Tests der Stimulierung im Theta-Bereich übereinstimmend von allen mentalen Phänomenen, die dem Theta-Zustand zugerechnet werden: lebhaftes hypnagoges Bilderleben, schöpferische Gedanken, integrative Erfahrungen und spontane Erinnerungsbilder. Weiterhin führte die Stimulation im Beta-Bereich zu wacher Aufmerksamkeit und Konzentration. Monroe ließ sich dieses Verfahren patentieren und nannte es HemiSync. HemiSync wird heute weltweit zu therapeutischen Zwecken sowie zur Selbsthilfe eingesetzt.

Was die Wissenschaftler der modernen Zeit scheinbar neu entdeckt haben, wird von Medizinmännern und Schamanen der Stammesvölker schon seit tausenden von Jahren genutzt. Der rhythmische Klang der Trommel ist ein grundlegendes Instrument zur Auslösung und Aufrechterhaltung des schamanischen Bewusstseinszustands. Bei der Untersuchung der Auswirkung des regelmäßigen, monotonen Trommelschlags auf die EEG-Muster stellte der Forscher Andrew Neher fest, dass rhythmische Schläge die Gehirnwellentätigkeit geradezu dramatisch verändern. Andere Beobachter schamanischer Rituale haben festgestellt, dass während der Initiationsriten Trommelschlagfrequenzen im Theta-Bereich vorherrschten.
 

Die audiovisuelle Stimulation als Synthese auditiver und visueller Stimulation

Weitere Forschungen bestätigten die Vermutung, dass wenn sowohl flackerndes Licht als auch pulsierende Klänge alleine genommen die Gehirnwellenaktivität koppeln und die hemisphärische Synchronisation verbessern konnten, eine Kombination von Klang- und Licht-Stimulation diesen Effekt noch verstärken würde.

Auf der Basis der Forschungserkenntnisse wurden die ersten audiovisuellen Stimulationssysteme entwickelt. Ursprünglich gaben diese simple Ton- und Lichtimpulse auf einer einstellbaren Frequenz ab oder das Programm war in einem Chip gespeichert. Es war ein hervorragendes Medium entstanden, um die Gehirnaktivität auf beliebigen Frequenzen anzuregen und auf diese Weise damit einhergehende Geisteszustände bzw. kognitive Funktionen zu fördern.

Die heute erhältlichen Systeme sind in ihrer Entwicklung bereits weitaus fortgeschrittener und bieten neben integrierten Programmen für die verschiedensten Anwendungsbereiche (z. Bsp. Förderung von Entspannung, Konzentration, Auffassungsgabe, Gedächtnisleistung, Vitalität, Wohlbefinden, Kreativität, Imagination, Meditation, Trance, Schlaf, usw.) auch diverse weitere Features wie zum Beispiel die Möglichkeit der Erstellung eigener Programme, die interaktive Verwendung zusammen mit Biofeedbacksystemen oder den Einsatz externer Stimulationsprogramme, die auf CD gespeichert sind.
 

Aktuelle Entwicklungen

Da die reinen Licht- und Klang-Impulse auf viele Anwender nach kurzer Zeit schon sehr monoton wirken, gingen manche Anbieter dazu über, Entspannungsmusik mit der visuellen Stimulation zu kombinieren, um die Sitzungen interessanter und unterhaltsamer zu gestalten. Hierbei trat jedoch das Problem auf, dass die Lichtimpulse nicht synchron zur Musik waren, was eher Irritation als Entspannung erzeugte. Erst das Tamas Laboratorium löste dieses Problem mittels eines patentierten Verfahrens (AudioStrobe), welches die optischen Impulse mit der Musik synchronisiert und sie zusammen auf einem externen Speichermedium wie der CD festhält.
Eine überraschende Beobachtung bei der AudioStrobe-Stimulation war jedoch, dass die Intensität des Erlebens nicht zwangsläufig dem Modell der "Frequenzfolgereaktion" entspricht, sondern dass die synchronisierten Wechsel der Lichtimpulse zu der Musik die besondere Vielfalt der sensorischen Eindrücke zu unterstützen scheint. Vermutlich ist der Schlüssel zu diesem Phänomen die Verwandschaft des durch die AudioStrobe-Stimulation induzierten Bewussteinszustandes mit dem REM-Schlaf. Gehirnwellenuntersuchungen von Probanden zeigten, dass wenn diese über traumähnliche Erfahrungen während der AudioStrobe-Stimulation berichteten, gleichzeitig Alpha, aber auch verstärkte Beta- und Theta-Aktivitäten auftraten. Die beiden letzteren sind für den REM-Schlaf charakteristisch. Der immer noch vorhandene Alpha-Anteil könnte von dem "Wachzustand im Traum" herrühren. Einige Probanden berichteten von Zuständen, die an das luzide Träumen erinnern, in welchem man sich darüber bewusst ist, dass man träumt.

Eine weitere Entwicklung zur Anpassung der Lichtimpulse an eine beliebige Hintergrundmusik wurde mittels des in den DAVID Mentalsystemen integrierten SoundSync-Verfahrens durch die Firma Comptronic Devices realisiert. Das Prinzip ist ähnlich dem einer Lichtorgel, wobei die Lichtimpulse jedoch nicht an die Lautstärke, sondern an die Tonhöhe der Hintergrundmusik gekoppelt werden. Dieses Verfahren hat gegenüber dem AudioStrobe-Verfahren zwei wesentliche Vorteile:
1. Während sich beim AudioStrobe-Verfahren die Auswahl auf ein begrenztes Sortiment speziell kodierter AudioStrobe-CDs beschränkt, kann man für das SoundSync-Verfahren auf beliebige CDs zurückgreifen, die dem persönlichen Geschmack entsprechen und über die man unter Umständen bereits verfügt.
2. Beim SoundSync-Verfahren bewegt sich die Stimulationsfrequenz innerhalb einer vorgegebenen Bandbreite von 2 Hz und trägt auf diese Weise dem Aspekt der Frequenzfolgereaktion (= Brainwave-Entrainment) Rechnung. Beim AudioStrobe-Verfahren hingegen werden die Stimulationsfrequenzen der Lichtsignale üblicherweise dem Rhythmus der Musik angepasst, weshalb dieses Verfahren eher dem Entertainment als dem Entrainment dient.

Weiterhin ist auch die Einsatzmöglichkeit der externen Biofeedback-Kontrolle als aktuelle Entwicklung im Bereich der AVS zu erwähnen. Hierbei wird das audiovisuelle Stimulationssystem mit einem Biofeedbacksystem verbunden, welches über entsprechende Sensoren bestimmte psychophysiologische Werte des Anwenders erfasst. Diese Werte werden in Echtzeit an das Stimulationssystem weitergeleitet, welches hinsichtlich des Programmablaufs auf diese Werte reagiert. Die Stimulationsprogramme gewinnen dadurch an Dynamik, laufen nicht nach einem vorbestimmten Muster ab, sondern verändern ihre Parameter entsprechend der gemessenen Werte. Die externe Biofeedback-Kontrolle ermöglicht somit den Einsatz psychointeraktiver AVS-Sitzungen, denn die psycho-physiologische Reaktion des Anwenders auf das Stimulationsprogramm wird in Echtzeit an das Stimulationssystem zurückgemeldet, welches durch entsprechende Veränderung des Programmablaufs darauf reagiert. Auf diese Weise entsteht eine interaktive Schleife von Reiz–Reaktions–Folgen. Eine solche Anwendungsmöglichkeit bietet beispielsweise die Kombination des Proteus mit dem ThoughtStream, welche die psychogalvanische Reaktion des elektrischen Hautwiderstands als Feedback-Parameter nutzt.

Fazit

Ganz egal, ob es Ihnen also nun um Tiefenentspannung, geistige Fitness oder eines der anderen genannten Anwendungsgebiete geht – mit einem optisch-akustischen Mentalsystem haben Sie in jedem Fall ein universelles Hilfsmittel an Hand, welches Ihnen in vielerlei Hinsicht gute und wertvolle Dienste leisten kann. Entscheidend ist dabei alleine der Frequenzbereich, in welchem die Stimulation erfolgt. Diesbezüglich stehen bei den heutigen Mentalsystemen üblicherweise verschiedene Stimulationsprogramme zur Auswahl, die jeweils eine bestimmte Zielfrequenz anvisieren und somit einem spezifischen Anwendungsbereich entsprechen.

Zur Vertiefung in die Thematik der audiovisuellen Stimulation - insbesondere in Hinblick auf bereits erfolgte Forschungsarbeiten hinsichtlich praxisbezogener Anwendungen - empfehle ich den Beitrag „Einschalten zum Abschalten“ von Dr. Klaus-Jürgen Landeck, erschienen in RAABE Fachverlag für Wissenschaftsinformation (Hrsg.): Handbuch Hochschullehre, Bonn 1996

Audiovisuelle Stimulationssysteme (Mindmachines) finden Sie in unserem Produktkatalog.

Claudius A. Nagel, © 2001

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01 - Grundlagen der audiovisuellen Stimulation Kommentare
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01. Cedric Schüepp 5 von 5 Sternen! 951 30.04.2015
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